"Entwurf ist der große Wurf"
Freiburger Architekten überzeugten die gesamte Jury des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs Friedrichstraße/Grabenstraße – Arbeiten werden am Wochenende öffentlich ausgestellt
Vaihingen - Die Stadt Vaihingen an der Enz hat gemeinsam mit der Wohnbau Oberriexingen Gruppe einen nicht-offenen städtebaulichen Realisierungswettbewerb für das „Quartier Graben-Friedrichstraße“ durchgeführt. Der erste Platz ging an die K 9 Architekten aus Freiburg. Nach Meinung der Jury besticht der Entwurf vor allem durch die gelungene Anbindung der Vaihinger Altstadt und die Nutzungstransformation der Engel‘schen Stallscheune. „Es ist ein großer Wurf“, kommentierte Jurypräsident Dr. Eckart Rosenberger, der ehemalige Vizepräsident der Architektenkammer Baden-Württemberg.
Gegenstand des Verfahrens war das rund 3,9 Hektar große Gebiet in zentraler Innenstadtlage. Es umfasst einen Realisierungsteil zwischen Grabenstraße, Friedrichstraße und Franckstraße sowie einen 1,4 Hektar großen ergänzenden städtebaulich-freiraumplanerischen Ideenteil von der Grabenstraße bis Richtung Marktplatz und Stuttgarter Straße.
Ziel des anonymen Wettbewerbs war die städtebauliche, strukturelle und funktionale Aufwertung des heute durch Brachflächen und Leerstand geprägten Areals zu einem gemischt genutzten, innerstädtischen Quartier. Neben „so viel Wohnbebauung wie möglich“ waren ausdrücklich Flächen für Arztpraxen, eine Apotheke sowie für großflächige Einzelhandelsnutzungen vorgesehen. Vorgesehen sind rund 2000 Quadratmeter Fläche für einen Vollsortimenter. Die angedachte Tiefgarage bietet dabei Platz für rund 300 ausreichend große Stellplätze. Das Verkehrskonzept müsse dabei noch weiterentwickelt werden, so Rosenberger. Beispielsweise, um die reibungslose Warenanlieferung zu garantieren.
Ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabe war zudem der Erhalt und die angemessene Einbindung des ehemaligen Gutshofs Engel mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden.
Die 17-köpfige Jury – bestehend aus Architekten, Landschaftsarchitekten, Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen sowie Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth und Kim Hasenhündl von der Wohnbau Oberriexingen und drei nicht stimmberechtigten Beratern – hat am 9. Dezember 2025 getagt und einmütig folgende Preise und Anerkennungen gekürt:
- 1. Preis: K9 Architekten mit Burkhard Sandler Landschaftsarchitekten
- 2. Preis: ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart
- 3. Preis: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner mit faktorgruen
- Anerkennung: QUERFELDEINS
- Anerkennung: bogevischs buero architektur & stadtplanung mit OK Landschaft
Am Ende der Sitzung empfahl die Jury einstimmig, den 1. Preisträger auf Grundlage seines Konzepts mit den weiteren städtebaulichen Planungen zu beauftragen. Hierfür ist zunächst die Zustimmung des Gemeinderats erforderlich.
Der Siegerentwurf leitet seine Grundidee aus der Vaihinger Altstadt ab: Maßstäblichkeit, giebel- und traufständige Baukörper, kleinteilige Gassen- und Platzfolgen sowie die Reaktion auf die Hanglage bilden das Leitbild. Daraus entwickelt die Arbeit eine durchlässige Quartiersstruktur und stärkt gleichzeitig die Verbindung zwischen dem Marktplatz und dem Bereich des ehemaligen Gutshofs Engel.
Ganz wunderbar sei gelungen, dass sich die Pläne in die vorhandene Satteldach-Struktur eingliedern und trotz schwieriger Topografie die barrierefreie Anbindung der historischen Altstadt und damit die Belebung der Innenstadt integriere, lobt Rosenberger den Siegerentwurf, aber auch die Auslobung. Das Areal eröffnet der Stadt eine einmalige Chance der Quartiersentwicklung in der Kernstadt.
Organisiert worden war das Verfahren von der Citiplan GmbH aus Pfullingen. Laut Geschäftsführer Albrecht Reuß wurden insgesamt 125.000 Euro Preisgelder ausgelobt, wobei das Preisgeld für den Sieger mit dem Auftrag verrechnet wird.
Städtebaulich gliedert der Entwurf das Quartier in einen östlichen und einen westlichen Teilbereich mit offener Blockrandbebauung und durchgehendem Sockelgeschoss, die in die Topografie eingepasst sind. Darüber liegen hofartige Wohnbereiche mit Satteldachgebäuden (III+D), deren giebel- und traufständige Anordnung differenzierte Stadträume erzeugt. An der Grabenstraße wird eine Platzsituation als Entree ins Quartier vorgeschlagen. Von dort führt ein „Gässle“ weiter zum neuen „Treff an der Kulturscheune“.
Die Jury bewertet die Arbeit als insgesamt überzeugende Grundlage für die weitere Quartiersentwicklung. Hervorgehoben werden die maßstäblich stimmige Setzung der Baukörper, die klare Trennung zwischen öffentlicher Durchwegung mit gut auffindbaren Eingängen der gewerblichen und öffentlichen Nutzungen sowie großzügigen, gut nutzbaren Gartenhöfen für die Wohnungen. Die Dachlandschaft aus giebel- und traufständigen Baukörpern wird ausdrücklich gelobt, da sie trotz hoher Dichte gut proportionierte Räume schafft. Positiv werden zudem die Einbindung in die Topografie sowie die städtebauliche Anbindung an die Altstadt beurteilt.
Kritisch weist die Jury auf die Ausgestaltung der geneigten Dächer durch zahlreiche Loggien und Dachflächenfenster hin. Ebenso werden zum Beispiel Optimierungsbedarfe bei der Anlieferung und der Tiefgaragenorganisation benannt. Die vorgeschlagene Nutzungstransformation der Scheune (Café/Kultur im Erdgeschoss, Co-Working und Kreativ-Lab im Obergeschoss als „Haus-in-Haus“-Konzept) wird hingegen als schlüssig befunden.
In Summe bescheinigt die Jury dem Siegerentwurf eine robuste, gut realisierbare städtebauliche Konzeption, verbunden mit Hinweisen zur gestalterischen Beruhigung und zur weiteren technischen Präzisierung in der nächsten Planungsstufe.
Ausstellung im CJD
Alle eingereichten und ausgezeichneten Arbeiten werden am Samstag und Sonntag (13. und 14. Dezember 2025), jeweils von 10 bis 13 und von 14 bis 16 Uhr, in der ehemaligen Aula des CJD Vaihingen ausgestellt (Schloss Kaltenstein 19, gegenüber der Kaltensteinhalle am Alten Postweg) gezeigt. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich ein Bild von den eingereichten Unterlagen zu machen.






















