Auf dem Weg in die klimagerechte Daseinsvorsorge

icon.crdate19.09.2025
Umweltministerin nimmt Wärmenetz Vaihingen Nord in Betrieb und eröffnet die landesweiten KlimaLändTage
Umweltministerin Thekla Walker nimmt Vaihinger Wärmenetz Nord in Betrieb – Startschuss für die Vaihinger Stadtwerke – KlimaLändTag am 20. September in und um die Vaihinger Stadthalle
Vaihingen – „Vaihingen setzt mit dem Wärmenetz Nord wichtige Impulse. Ein ressourceneffizientes und zukunftsfähiges Wärmenetzt trägt dazu bei, die Wärme- und Energiewende voranzutreiben und souverän und unabhängig zu werden.“ Umweltministerin Thekla Walker hat heute in Vaihingen an der Enz nicht nur die landesweiten KlimaLändTage eröffnet. Sie gab auch den symbolischen Startschuss zur Inbetriebnahme des Wärmenetzes Vaihingen Nord. Oberbürgermeister Uwe Skrzypek freute sich über den Besuch, der das Engagement der Kommune würdige, die kommunale Daseinsvorsorge der Bürger selbst in die Hand zu nehmen. Am Samstag (20. September 2025) locken von 10 bis 17 Uhr die KlimaLändTage in und rund um die Stadthalle – mit Vorträgen, Ausstellungen und unterhaltsamen Programmpunkten rund um das Thema Klimawende.
Lob vom Land
„Wir können nicht die Welt retten, aber wir können Verantwortung übernehmen für die Welt, die uns umgibt. Dazu muss jeder einzelne seinen Beitrag leisten“, erklärte Umweltministerin Walker bei der offiziellen Inbetriebnahme im Hof des Technischen Rathauses. Das Vaihinger Wärmenetz Nord sei ein Vorzeigebeispiel, was eine Kommune leisten könne, um die Versorgungssicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. „Die internationalen Krisen zeigen uns auf, dass wir uns unabhängig machen müssen von autokratischen Systemen!“, sagte die Ministerin unter dem Applaus der Anwesenden. Dazu gelte es, alle Potenziale zu nutzen – von der Solarthermie bis zur Aquathermie.
Oberbürgermeister Uwe Skrzypek blickte nicht ohne Stolz auf das Wärmenetz, das nun den Norden der Kernstadt mit lokal erzeugter Wärme versorgt. Gelungen sei dies im Zusammenschluss vieler lokaler Akteure. Hier dankte er vor allem den Betreibern der Ensinger Biogas-Anlage, deren Abwärme ins Netz gespeist wird. Auch den Geschäftsführern der Buchbinderei Wennberg dankte der OB für ihren Schulterschluss. Die Abwärme aus der dortigen Altholz-Hackschnitzelbrennanlage ist ebenfalls ein Energielieferant. Die Ludwigsburger Energieagentur LEA habe die fachliche Kompetenz übernommen und das Projekt in die operative Umsetzung gebracht. Das Zukunftsthema Energiewende brauche viele Mitstreiter.
Für einen Hingucker sorgte der Eschenbacher Streetart- und Graffiti-Künstler Reinald Pehla. Er visualisierte mithilfe von Spraydosen den Streckenverlauf des Wärmenetzes Nord auf dem Pflaster, das vor allem aus der Vogelperspektive wirkte.
Die Inbetriebnahme des Wärmenetzes Nord ist für Vaihingen ein elementarer Schritt auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Das Netz stellt die Versorgung der nördlichen Kernstadt mit lokal erzeugter Wärme sicher und ist ein wichtiger Teil der Wärmeplan-Strategie für das gesamte Stadtgebiet. Abwärme aus einer Biogasanlage lokaler Landwirte, Altholz aus einer Buchbinderei und eine städtische Hackschnitzelbrennanlage sind derzeit die wichtigsten Energielieferanten. Versorgt werden vorerst fünf städtische Einrichtungen (Technisches Rathaus, Bauhof, Mina-Lenges-Kindergarten, Stromberg-Gymnasium und Feuerwehr) sowie das künftige Gewebegebiet Fuchsloch III und das geplante Wohngebiet Leimengrube. Außerdem ist das Areal von Waldorfschule und -Kindergarten an das Netz angeschlossen.
„Wir versprechen unseren Kundinnen und Kunden einen krisensicheren, verlässlichen Wärmepreis, basierend auf dem Gemeinwohlgedanken und auf der Grundlage lokal erzeugter Wärme“, erklärte Oberbürgermeister Uwe Skrzypek bei der Inbetriebnahme. „Gleichzeitig werden wir als Kommune handlungsfähig und machen uns unabhängig von volatilen Anbietern.“
Vorhang auf für die Vaihinger Stadtwerke!
Das betriebswirtschaftliche Fundament bilden künftig die Vaihinger Stadtwerke. Zum 1. Januar 2026 wird der bisherige Versorgungsbetrieb mit den Sparten Wasser, Wärmenetz und Parkierung in „Stadtwerke Vaihingen an der Enz“ umbenannt, ergänzt um den städtischen Bauhof. Somit sind nach einem Stadtratsbeschluss vom 30. Juli 2025 alle kommunalen Versorgungsleistungen in einer Organisationseinheit gebündelt.
An deren Spitze wird eine Betriebsleitung stehen. Diese neu geschaffene Position ist ausgeschrieben. Ihr obliegt der Abbau des Sanierungsstaus – insbesondere im Wassernetz – sowie die Weiterentwicklung des Wärmeangebots, der Aufbau von Kompetenzen in Energieerzeugung und -versorgung sowie die strategische Ausrichtung der Stadtwerke. „Wir schaffen damit die Voraussetzungen, die kommunale Daseinsvorsorge konsequent und klimagerecht weiterzudenken“, so Skrzypek. Die Bürgerinnen und Bürger, Gewerbe und Handel müssten sich auf eine zukunftsfähige Wasserversorgung, verlässliche kommunaler Dienstleistungen und eine konsequente Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung verlassen können.
KlimaLändTag am Samstag
Was künftig auch technisch möglich sein wird, wird beim KlimaLändTag am Samstag (20. September 2025) aufgezeigt, der auf Initiative der Projektgruppe „Erneuerbare Energien“ der Lokalen Agenda 21 von 10 bis 17 Uhr in und um die Vaihinger Stadthalle ausgerichtet wird. Vielleicht kommt Wärme auch bald aus der Enz… Wie das mit Hilfe der Aquathermie gelingen könnte, zeigt Klimamanager Björn Bohms in seinem Vortrag um 15.45 Uhr im Löwensaal auf. Über „Ausbau und Nutzen lokaler Wärmenetze“ spricht Roland Weikert, Manager Wärmenetze, um 16.30 Uhr. Außer den informativen Vorträgen gibt es ein großes Ausstellungsangebot von Unternehmen und Organisationen. Die Landfrauen sorgen für das leibliche Wohl. Den ganzen Tag über gibt es an zahlreichen Ladesäulen im Stadtgebiet kostenfreien Ladestrom.























